hallo ihr lieben!
endlich bin ich soweit mal auf unsere homepage zu schreiben. bisher hab ich leider überhaupt keine zeit dafür gefunden, weil beni, als er einen der schüler hochheben wollte, sich zwei hernien an der bandscheibe zugezogen hat. jetzt liegt er noch mindestens bis montag im krankenhaus “maria de santé” und ich besuche ihn fast jeden tag nach der arbeit. es geht ihm jetzt schon wieder viel besser. er muss nun regelmäßig physiotherapie machen und seinen rücken darf er längere zeit nicht mehr belasten. das erstmal zur info und als entschuldigung für die mangelnden berichte;)jetzt gehts aber los…berichte von beni folgen bestimmt auch bald;)
das vorbereitungsseminar( 31.juli-9.august) :
..war echt super! es fand in einer jugendherberge in helmarshausen in der “nähe” von kassel statt ( und sagt jetzt bloß nicht, ihr kennt helmarshausen nicht! das ist DIE city schlechthin). auf jeden fall fehlte es in dieser jugendherberge an nichts. es gab super leckeres essen, alle möglichen sportangebote und vor allem hatten unsere teamer ein wirklich tolles programm auf die beine gestellt, um uns so gut wie möglich auf unser auslandsjahr vorbereiten zu können.
Dazu gehörten viele, viele gruppenspiele, diverse vorträge mit den themen gefahren, konflikte, weltwärts, heilpädagogik…, ländergruppen-treffen, in denen ich schon meine zukünftigen mitbewohner und mitarbeiter etwas besser kennenlernen konnte und,und,und…die pausen, die uns noch übrig blieben, haben viele von uns mit der lieblingsbeschäftigung volleyball verbracht.
wir waren insgesamt über 70 leute, die alle von den “freunden” in verschiedene projekte in lateinamerika entsand werden. davon auch ca. 20 in lima, peru. die meisten arbeiten in einer schule, einem kindergarten oder einer einer heilpädagogischen einrichtung. unsere teamer waren ehemalige freiwillige, die uns schon einiges erzählen konnten. das einzige was mir gefehlt hat, war eine konkrete anleitung zur betreuung von menschen mit behinderung, aber den “freunden” liegt glaube ich viel daran, dass wir die wichtigen erfahrungen für uns selber machen können und selbst herausfinden, wie man mit der situation umzugehen hat. dazu haben sie versucht uns zu sensibilisieren. ansonsten kann ich nur sagen, dass wir eine supercoole truppe waren;) und bestimmt einiges mitnehmen konnten.
vorbereitung auf das “große abenteuer”:
ich kann nur sagen, groß vorbereiten kann man sich eigentlich gar nicht, weil man kaum weiß, was einen vor ort erwarten wird. und es ist auch manchmal ganz schön unvorbereitet in etwas “hineinzustürzen”. zu meinen sonstigen vorbereitungen gehörten, abgesehen von dem vorbereitungsseminar, kofferpacken, verwaltungskram erledigen und mich von meiner familie und meinen freunden zuhause verabschieden. das ging leider alles viel zu schnell. von manchen konnte ich mich nicht mehr richtig verabschieden (hier einen ganz lieben gruß an alle, die das betrifft!:)), aber vor allem hatte ich zunächst das gefühl mein “altes leben” nicht richtig abgeschlossen zu haben, weil ich einfach keine zeit gefunden hatte mich gedanklich auf “ein jahr in peru” vorzubereiten. das war immer eine sache, die noch in weiter ferne lag und als die zeit dann immer näher rückte, war ich nur noch mit koffer packen und, verwatungskrämpel erledigen, beschäftigt. zum glück hatte ich dann während meiner hinreise doch noch genug zeit dafür gefunden;-)
der familie und den freunden für so lange zeit tschüss zu sagen ist schon ein merkwürdiges gefühl und in dem moment nicht vorstellbar, so dass es sich glaube ich für die meisten nicht wie ein abschied auf lange zeit angefühlt hat. aber es gibt ja gott sei dank auch noch skype und e-mail und sms und studivz usw…;)
hinreise(freitag, der 13.)
nachdem ich mich zunächst ganz doll von meinen liebsten am bahnhof in freiburg verbaschiedet habe, ging die lange reise für beni und mich los. zwischenstopp war bei meinem anderen liebsten in frankfurt;), wo wir für eine nacht blieben, um am nächsten morgen zum flughafen aufzubrechen. nach einer intensiven verabschiedung passierten wir die handgepäck-kontrolle. der flug war aufregend für uns. ganz besonders für beni: sein erster flug schon so weit. es verlief alles glatt. zwischenstopp in madrid und bogotá, wo es an dem morgen noch einen bombenanschlag gab( die erste nachricht, die ich mitbekam als ich in frankfurt aufgewacht bin). die zeit im flugzeug, also geschlagene zehn stunden etwa, verbrachten wir mit essen, schlafen, shrek 3 anschauen und “innerlicher verabschiedung”;-).
als wir madrid verließen hatte ich ein mulmiges gefühl, denn madrid kenne ich noch recht gut. ich weiß welche regeln und gesetzte es dort gibt, dass ich mich recht sicher fühlen kann und wie ich mit den menschen umzugehen habe. aber in südamerika war ich noch nie und hatte/habe (wie mans nimmt) auch noch wenig ahnung davon.
deshalb war ich, je weiter unsere reise fortschritt, immer erleichterter, dass alles gut lief. als dann sogar unsere koffer in lima eintrafen und unser taxifahrer alfredo auf uns schon am ausgang wartete, viel mir ein stein vom herzen. alfredo ist taxifahrer in lima, der auch für das colegio san christoferus arbeitet, indem er die schüler von der schule abholt. mittlerweile ist er für mich unentbehrlich geworden, da er mich immer zum krankenhaus hinbringt und wieder abholt, um beni besuchen zu können.
die schule liegt im stadtteil churillos, auf der entgegengelegenenseite des flughafens, so dass wir schonmal einen eindruck von lima gewinnen konnten.
es war zwar schon dunkel ,aber es war trotzdem schwer zu übersehen, dass vieles ganz anders ist als in unserem süßen, kleinen freiburg. wir fuhren an der küste entlang. der strand war kein richtiger strand, sondern mehr ein kahler sandplatz an dem ein paar polizisten patroullierten. abgesehen von der straße gibt es zum teil keine fußgängerwege und die häsuer sind meistens eher hütten, die übereinandergestapelt sind. trotz der späten zeit(ca. 2.00 uhr nachts) war überall noch eine menge los. der verkehr ist auch gewöhnungsbedürftig: spuren werden grundsätzlich nicht eingehalten und der aggressivste fahrstil schlägt sich durch ganz nach dem motto “jeder ist sich selbst der nächste”. so ist es gezwungenermaßen ein unglaubliches chaos. diese beobachtungen lässt sich glaube ich auch in anderen lebensbereichen wiederfinden, gezwungenermaßen.
chorrillos würde ich ihm vergleich zu den anderen vierteln in lima nicht als besonders arm einschätzen, wobei es natürlich im vergleich zu eurpäischen städten sehr arm ist.
als wir dann schließlich vor dem großen schultor ankamen, begrüßte uns claus, der wachhund, erstmal skeptisch. der hausmeister und nachbar felipe zeigte uns unser zimmer im praktikantenhaus. sowohl das praktikantenhaus, als auch das haus der hausmeisters und seiner familie stehen nämlich auf dem schulegelände. gleich lud er uns zu der taufe seiner tochter ein, die am nächsten tag stattfand. das praktikantenhaus machte auf mich einen guten eindruck, denn ich wurde von dem schulleiter(sofern es in waldorfschulen schulleiter gibt) fernando darauf vorbereitet, mir keine allzu großen erwartungen zu machen.
wenn man reinkommt, betritt man sofort den gemeinschaftsraum, der ziemlich groß ist. rechts daneben befindet sich die küche und ein kleiner lagerraum und links daneben zwei der praktikantenzimmer. zwei türen links und rechts führen vom wohnzimmer in den kleinen innenhof, von dem aus man zu den anderen drei praktikantenzimmern und einem kleinen waschraum gelangt. in jedem der zimmer gibt es ein bad, worüber ich mich überrascht erfreute. unsere zimmer sind recht groß und ausreichend möbliert. im laufe der zeit musste ich jedoch auch die vielen mankos des praktikantenhauses kennenlernen. so gibt es abgesehen von der dusche(zum glück:-)) kein warmes wasser(das gilt auch für die waschmaschine) und man sieht von unserem zimmer aus direkt in die werkstatthinein, weil diese sich ohne extra-wand daneben befindet, was weniger privatsphäre und weniger licht bedeutet. außerdem ist es abends in allen räumen kalt, weil es keine heizung gibt und die räume sehr schlecht isoliert sind. die vorigen praktikanten waren wohl keine ordnungsliebenden wesen und haben uns alles ziemlich dreckig und unaufgeräumt überlassen. wobei ich gehört habe, dass es zuvor NOCH viel schlimmer gewesen sein sollte. wir haben einen gasherd, der manchmal in stichflammen angeht und auch sonst eine eher sperrliche kücheneinrichtung. doch anders habe ich es auch nicht erwartet.
meine anderen mitbewohner, von denen ihr im laufe der zeit bestimmt noch mehr erfahren werdet, haben schon beschlossen die bude wieder auf trab zu bringen.
auch beni und ich haben gleich angefangen unser zimmer und das bad zu putzen, doch aufgrund seiner verletzung und meinen krankenhaus-besuchen nach der arbeit, konnte die aktion bisher noch nciht zu ende geführt werden. somit konnten wir es leider auch noch nicht einríchten und unsere sachen ausräumen.
die taufe am nächsten tag(samstag) war ganz schön. es gab für jeden eine portion pollo(hühnchen) mit salado und patatas(kartoffeln). ein sehr typisches essen in peru. der wohnraum von felipe und seiner familie war mit rosanen bildern und gialanden geschmückt und es gab ein kleines buffet mit leckereien und trinken. alle praktikanten und lehrer der schule waren auch eingeladen. man redete, hörte musik, aß und trank und später am abend wurde auch getanzt. das fest ging den ganzen tag lang bis spät in die nacht. taiufpaten waren sogar zwei ehemalige freiwillige aus der schule. die tochter hatte als zweiten namen sogar den der taufpatin erhalten! leider konnten wir nicht sher lange bleiben, weil wir(die Praktikanten) noch aufräumen und einkaufen wollten. beim einkauf erhielten wir einen erneuten eindruck von der stadt bei tageslicht, was ihr nicht gerade schmeichelt. andererseits habe ich mich sehr schnell an dieses straßenbild gewöhnt. ich finde, es hat einen ganz besonderen flair, der zwar nicht immer schön ist(was vor allem die armen häuser und das leben dahinter betrifft), aber auch nicht trostlos ist, da immer viel los ist auf der straße. es gibt unmengen an mini lebensmitteldeschaäften, ständen und märkten auf der straße und dem nie endenden chaotischen verkehr(übrigens sind über die hälfte der autos taxis). die richtig armen viertel sind mir beisher erspart geblieben, aber auch von denen gibt es hier sehr viele. hauptsächlich an den andenhängen der stadt.
der große einkausmarkt ist ziemlich teuer im vergleich zu den üblichen preisen, weshalb wir versuchen möglichst günstig auf dem markt einzukaufen. doch für den ertsen tag brauchten wir ganz spezielle putzuntensilien, weshalb es viel einfacher war, alles dort einzulaufen. die busfahrt machte mir viel spaß, weil wir so chaotisch und schnell fuhren. ich bin mal gespannt, ab wann es mich eher nerven wird. gleich am ertsen tag haben wir dann auch einen mofaunfall miterlebt(man kannsich vorstellen, wieviele unfälle es hier geben muss).
ein mann lag blutend auf der straße umringt von ein paar menschen. wir hatten das gefühl, dass niemand den krankenwagen rufen wollte, weil das denjenigen geld kostet, der ihn ruft. dann rief aber jemand einen und wir liefen weiter. die metro(das einkauszentrum) ist riesig und eher typisch europäisch. auf der rückfahrt fuhren wir mit dem taxi, was für jeden umgerechnet 30 cent kostet. auch die hinfahrt mit dem bus hat uns nur 50 centimos gekostet. das sind ca. 15 cent. den rest des tages verbrachten wir mit besichtigung des schulgeländes, auf- und einräumen.:)
am sonntag gingen beni und ich zusammen mit einem alt eingesessenen praktikant;) namens carlo zu einem geldwechselschalter in dem nachbarviertel surco. diesmal fuhren wir mit einem kleinbus, der vollgepackt mit leuten war. surco ist ein weniger reicher als churrillos. carlo meinte, man könne es als mittelschicht in lima bezeichnen. er zeigte uns auch gleich, durch welche merkmale man das neue geld auf falschgeld überprüfen kann und führte uns danach zu einem ähnlichen einkaufszentrum wie metro, damit wir die sachen, die wir am vortag nicht mehr gefunden hatten, dort einkaufen konnten(darunter auch flohhalsbänder und katzenfutter für unsere beiden katzen krawal und remmidemmi, die bei uns im praktikantenhaus wohnen. sie wurden von den ehemaligen praktikanten gekauft, damit die mäuseplage ein ende finden konnte.
zuhause angekommen ging unsere putzaktion weiter…:)
montag war unser erster arbeitstag. ich war schon etwas aufgeregt, weil ich die einzige von unserer truppe awar, die vorher noch nicht mit behinderten menschen gearbeitet hat und keine ahnung hatte, wie ich mit ihnen umzugehen habe. doch meine schülergruppe, in der ich nun arbeiten werde, hat mir auf anhieb sehr gefallen und auch die betreuerin addi, die mit den kindern arbeitet, ist eine ganz liebe. ich bewundere die betreuer immer, wie geduldig sie jeden tag mit den kindern arbeiten und spielen und wie gut sie mit ihnen umgehen können. ich hab sie auf jeden fall alle schon etwas ins herz schließen können. die schüler in der gruppe haben alle sehr unterschiedliche charaktere und beinderungen und verstehen sich trotzdem fast immer gut. ich finde es immer toll, wenn sie sich untereinander helfen und zum teil auch zeigen, dass sie sich lieb haben. ein paar der schüler sind sehr anhänglich, andere sehr schüchtern und zurückgezogen. manche können sich besser der situation anpassen und den anweisungen der lehrer folgen und andere weniger, aber man kann mit allen reden, spielen und arbeiten. jeder hat dabei natürlich auch seine vorlieben. manche tanzen und singen sehr gerne, andere spielen viel lieber ball oder versuchen ihren namen oder zahlen an die tafel zu schreiben. es gibt jeden tag einen morgenkreis, bei dem alle lehrer und schüler versammelt sind und ein oder zwei lieder gesungen werden. danach gehen alle schüler in ihre jeweiligen gruppen. diese sind nach alter und schwere der behinderung geordnet. es gibt zum beispiel eine gruppe, die in der schulbäckerei arbeitet und eine in der holzwerkstatt. in meiner gruppe gibt es immer zu beginn einen einen begrüßungskreis, bei dem man ein lied singt und einen vers aufsagt. danach schreibt jeder mit oder ohne hilfe seinen namen an die tafel. und danach gibt es unterschiedliches programm. bisher haben wir gebacken, ketten gebastelt oder gemalt. am donnerstag gibt es zu der zeit auch immer die pferdetherapie und am freitag die tanztherapie. nach ca. einer stunde gibt es eine kleine zwischenmahlzeit. z.B. grießbrei oder obst. und dann ist pause im freien mit allen schülern zusammen. jeder kann dann draußen machen, was man will wie z.b. ball spielen, auf dem spielplatz spielen oder sich einfach zurückziehen. danach gibt es für alle im speißesaal mittagessen. nach dem mittagessen werden noch die zähne geputzt und dann gibts zum aufwidersehn sagen den abschlusskreis mit allen zusammen.